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21.4.06

Vergesellschaftung bei Pfeilgiftfröschen?

Wenn man so durch die unterschiedlichen Froschcommunities im Netz schaut findet man immer wieder die Frage nach der Vergesellschaftung von Pfeilgiftfröschen. Anscheinend ist es für viele ein elementares Problem sich zu überlegen, welche Frösche man vergesellschaften kann. Warum eigentlich?
Vielleicht will man Leben im Terrarium haben - nach dem Motto was will so ein kleiner Frosch eigentlich in einem so grossen Terrarium - vielleicht ist es der fehlende Platz oder man steht auf freakige Farbzusammenstellungen.
Vielleicht sollten die "Froschliebhaber" die unbedingt Ihre Tiere zusammenschmeissen wollen über Ihre Motivation nachdenken. Wegen dem Frosch? Vermutlich nicht. Aus Geldmangel? Vielleicht. Weil man unwissend ist? Wahrscheinlich.

Also was spricht abgesehen von unterschiedlichen Klimaansprüchen unterschiedlicher Arten ja sogar unterschiedlicher Varianten dagegen?
Der Lebensraum in den meisten Froschterrarien ist schlichtweg zu klein damit 2 Arten nebeneinander leben können (vgl Christmanns Beitrag Dezember 05). Die Tiere werden früher oder später darum konkurieren wer überleben darf. Ist ja eigentlich auch ganz logisch in der Natur wird man keine 2 Arten finden, die dauerhaft nebeneinander sitzen und warum die das nicht tun ist auch einfach zu erklären. Es geht schlichtweg ums Überleben, denn der Frosch, der ausreichend Nahrung findet hat auch die besten Voraussetzungen, um seine Art zu erhalten. Jetzt stellen wir uns diese Situation in einem Lebensraum von nicht mal einem Kubikmeter vor.
Die vergesellschafteten Arten werden unter permanenten Druck stehen - jedes Tier wird auf die passende Chance warten den leidigen Konkurenten loszuwerden, also werden sich die Tiere permanent unter Stress setzen.
Auch eine bodenbewohnende Art mit einer kletternden Art zu vergesellschaften ist schlichtweg schmarrn. Jeder der die Gelegenheit hatte Frösche über ein paar Stunden zu beobachten, wird festgestellt haben, dass die Bodenbewohner gerne mal nach oben kommen und die Kletterer auch mal runterkommen - es wird also in den Lebensraum der anderen Spezies eingedrungen.
Auch das kann eine bestimmte Zeit gut gehen - aber was passiert, wenn sich die Lebensbedingungen ändern z.B. bei Futterknappheit? Jetzt werden manche Leser sagen - bei mir wird das Futter nicht knapp, ich füttere immer genug Fliegen. Wer so denkt überfüttert seine Frösche schlichtweg, was auch nicht im Sinne der Tiere ist.
Tritt die Futterknappheit - ob gewollt oder ungewollt ein - werden die Tiere anfangen sich gegenseitig zu killen. Wer da dann wem killt sei dahingestellt vielleicht killt der kleinere den grösseren oder umgekehrt (vgl. Divossen, H. Erfahrungen mit kleinen Pfeilgiftfröschen).
Ein weiterer Aspekt der gegen eine Vergesellschftung spricht ist das Immunsystem der Tiere. Der permanente Stress schwächt das Immunsystem und es wird einfacher für diverse Krankheiten auszubrechen, um den Frosch zu töten. Zwischenzeitlich dürfte bekannt sein, dass die gefürchtete Chytridkrankheit bei suboptimalen Haltungsbedinungen leichter ausbricht, infiziert sind eh die meisten Frösche mit dem Pilz (vgl. Mutschmann in Draco, Pfeilgiftfrösche).
Natürlich werden sich auch beide Arten bei der Paarung stören, das fängt ausbleibenden Gelegen an, geht über schlechte Gelegequalität und hört beim gegenseitigem Wegfressen der Gelege auf, denn auch hier gehts ums Überleben und um dafür zu sorgen, dass der eigene Nachwuchs genug Nahrung und Lebensraum hat.

Sicher ist, dass in den meisten Fällen eine der oben beschriebenen Problemsituationen eintritt. Warum liest man dann immer dass es klappt? Gute Frage eigentlich vermutlich halten die meisten von denen die sagen, dass es klappen die Frösche einfach noch nicht lange genug zusammen. Meine azureus haben auch erst nach 3 Jahren angefangen die ventrimaculatus zu killen (damals wurde von mir das Futter reduziert weil die Frösche einfach zu fett waren und schlechte Gelege lieferten). Andere wissen vermutlich auch gar nicht, dass Frösche gekillt wurden, weil sich der Bestand selbst regeneriert hat.
Bestimmte Listen was geht und was nicht sind genauso schwachsinnig. In einer dieser Liste (auf die ich jetzt nicht hinweisen will) wurde beschrieben, dass azureus mit ventrimaculatus vergesellschaftet werden kann (und nicht nur bei mir hat es nicht geklappt). Diese Listen wurden nämlich zusammengestellt, ohne dass überhaupt definiert wurde, was eine erfolgreiche Vergesellschaftung ist, kann man auch gar nicht, weil man das höchstlebensalter der einzelnen Frösche so gut wie nicht kennt.
Alle Vergesellschafter sind Spinner, die keinen Plan haben? Auch das stimmt nicht es gibt erfolgreiche Vergesellschaftungen in Gewächshäusern oder auch in Grossterrarien und ich spreche hier ausdrücklich von mehr als einem Kubikmeter Raumangebot und auch hier klappt es nur, wenn der Mensch regulierend eingreift sonst wird früher oder später die aktivere Art die passivere Art verdrängen, denn auch diese Lebensräume sind ein Witz zum Raumangebot in der Natur. Ausserdem gehört viel Erfahrung dazu, um rechtzeitig zu erkennen, ob ein Tier unterdrückt wird oder nicht und wer kann das schon erkennen? Wer von den Lesern hier hatte schon einmal die Gelegenheit die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum über eine längere Zeit zu beobachten?

Was kann man also dem Einsteiger empfehlen?
Es sein zu lassen! Die meisten älteren erfahrenen Froschliebhaber, mit gesunden Tieren, lassen es nämlich in der Regel auch. Und die trotzdem erfolgreich vergesellschaften haben schlichtweg Glück und fertige Ausweichterrarien, damit Sie die Frösche separieren können wenn der Zoff anfängt.

Natürlich wird sich der Einsteiger, auch wenn er diesen Artikel aufmerksam gelesen haben sollte, durch die unterschiedlichen Foren, Chats, Stammtische und Bekanntenkreise fragen, um seinen Wunsch nach Vergesellschaftung zu legitimieren. Wenn er etwas Hirn besitzt wird er, dann aber hoffentlich gleich fragen: Wie lange hällst Du die Gruppen oder Paare schon zusammen und wieviele ausfälle hattest Du in der Zeit? Damit er vermeidet, dass ihm jemand nach 2 Wochen intensiver Vergesellschftung schon was von erfolgreicher Vergesellschaftung ezählt.

Eine Anmerkung noch zum Schluss:
Die permanente Fragerei nach Vergesellschaftungsmöglichkeit nervt gewaltig und sorgt letztendlich dafür, dass sich immer mehr erfahrene Froschhalter aus der Internetszene zurückziehen.

8 Comments:

Blogger ZordFish said...

Respekt RV. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

9:34 PM

 
Blogger Gelnhausen said...

OK...ich habe keinerlei Erfahrungen auf dem Gebiet, muss aber nicht sein.

Ich bin der meinung das sich die haltung jeglicher Tiere vorallem an deren bedürfnissen orientieren sollte.

Welchen Nutzten hat eine Vergesellschaftung für die Frösche?
Keine!
Es besteht sogar die immer die Gefahr das es schiefläuft. Wozu dieses Risiko eingehen?

1:08 AM

 
Blogger Thommes said...

Jau RV, guter text, damit ist alles gesagt, auch das du Gewächshäuser und Großraumterrarien als einzige Möglichkeit erwähnst.

8:52 AM

 
Anonymous wolle said...

Hi Rind
ich finde gut das du die Problematik ansprichst und vorallem, wie auch schon hier erwähnt, auf das Platzproblem eingehst.
Ich denke aber genau da is das Problem. Viele argumentieren gegen Vergesellschaftung, aber keiner geht wirklich auf das Platzproblem ein. Und da is der Punkt, der mich öfters ma Stutzig macht. Ein Frosch stirbt nicht einfach wenn er gute Bedingungen hat; oft sind Stress oder andere Faktoren das Problem, welche durch Vergesellschaftung erhöht auftreten können.
Ein Frosch braucht Platz, egal wie groß oder klein er ist, z.B. ist reticulatus sehr revierbildent, aber nich der Größte ;)
Und hier ist die Frage, die sich evt. auch schon andere Leser gestellt haben: Wo ist der Unterschied ob ich jetzt eine Gruppe habe oder 1,1 von zwei Arten.
Ich denke zu diesem Thema sollte man genauso auf die Paarhaltung der meisten Frösche eingehen.
Bei einigen mag die Gruppenhaltung von Tinctorius z.B. klappen, bei genauso vielen aber nicht.
Also sollte man da evt. genauso drüber nachdenken ;)
Ich sach dann ma wir sehn uns im chat..

1:07 PM

 
Anonymous Anonym said...

K...

Hallo,

Generell magst du ja recht haben;
Als Gegenbeispiel nenne ich mal meinen
100B X 50T X120h Behälter in dem 1,1tinctorius und 1,1variabilis zusammenleben, und das ist möglich durch die Einrichtung von zwei Ebenen.
im Oberen Teil (ca.70cm) gibt es viele Bromelien in denen die vaiabilis sitzen, die Wände sind aber vergleichsweise steil.
Die tinctorius halten sich weiter unten auf, auch das manchmal kletternde Männchen geht nicht über 50cm. die Variabilis fressen die Drosophilas die hoch klettern und die tinctorius werden unten gefüttert.
Klappt prima, die Männchen beider Arten rufen und kommen sich nicht in die Quere.
Der Versuch einer tinctorius Gruppenhaltung hingegen ging schief, da das dominante Weibchen das andere unterdrückte. die musste ich wieder trennen. Da muss ich dir also rechtgeben (tue ich generell sowieso).
Ich hab halt nur was gegen Verallgemeinerungen.
Grüße!!

5:39 PM

 
Blogger Rindviech said...

auch der obige Schreiber gibt keine Auskunft wie lange das schon prima klappt!

3:08 AM

 
Anonymous Grafzahl said...

Seit nunmehr 3,5 Jahren vergesellschafte ich ein Pärchen D. tinctorius nominat mit einem Pärchen D. imitator nominat in einem Becken von 80*50*70 mit eingerichtetem Bachlauf und teils sehr üppiger Bepflanzung. Von beiden Arten hatte und habe ich regelmäßig gesunde Nachzuchten im mittlerweile hohen 2stelligen Bereich; bei D. imitator z.T. als "Naturbrut", d.h. vom Pärchen mit Nähreiern eigenständig versorgt. Die durchschnittliche Temperatur im Becken liegt bei ca. 25°C mit geringer Jahreszeitlicher Schwankung, etwas niedrigere Temperaturen im Bereich der Xaximverkleideten, durch Pflanzenbewuchs schattigeren Seitenwände und etwas höheren Temperaturen im Zentrum der Rückwand und im lichteren Mittelteil. Erwärmt und beleuchtet mit 125Watt Standard HQL-Strahler mit 6100K in einer Bresslein Kugelleuchte.

Wie geschrieben; bis dato absolut problemlos.

Für mich der entscheidende Vorteil: Statt beiden Arten ein zweckmäßiges 125L Becken zu gönnen, können sich die Tiere bei geringerem technischen Aufwand in einem größeren Becken bewegen.

Aber!!!!!

1) Habe ich die Tiere schon als Jungtiere etwa gleichzeitig in dieses Becken gesetzt (nach je 2 monatigen Quarantäne im Artbecken). D.h. die Tiere wurden schon vor Revierausbildung an die Präsens einer weiteren Art gewöhnt!

2) Ich halte beide Arten lediglich paarweise (Im Gegensatz zu bisher nie aufgetretenen überartlichen Konflikten kam es nämlich lediglich zu innerhalb einer Art Auseinandersetzungen)

3) Ich halte ständig ein Ausweichbecken zur Verfügung um beim kleinsten Anzeichen eines Problems eingreifen zu können.

und 4) Ich kann nur behaupten, dass diese Konstellation mit den angebenen Parametern bisher bei mir funktioniert. Eine Empfehlung daraus abzuleiten wäre falsch, da zuviele Unwägbarkeiten ein Scheitern zur Folge haben können. Und ich kann mit keinem Argument wiederlegen vielleicht bis dato nur einfach Glück gehabt zu haben...

Gruß
Horst

10:18 AM

 
Anonymous Anonym said...

Kaum habe ich meine positiven Erfahrungen hinsichtlich der Vergesellschaftung von D. tinctorius nominat mit D. imitator nominat kundgetan, muß ich dieses schon wieder revidieren! Von einem zum anderen Tag begann mein Weibchen von D. imitator das ca. 20xschwere Weibchen von D. tinctorius wild zu klammern! Ein Eingreifen von mir hatte keine 5 Minuten Erfolg, schon wurde wieder geklammert. Und das in einer Heftigkeit, die ich nie für möglich hielt. Also kann auch "meine Vergesellschaftung" auf Dauer als gescheitert angesehen werden. Zum Glück verfügte ich über ein eingefahrenes Terrarium, das den D. imitator nun als Dauerqurtier dient!

Gruß
Horst

3:52 PM

 

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